Ein Theme für sechzig Euro sieht in der Vorschau aus wie eine Website für zwanzigtausend. Das ist keine Täuschung, die Vorschau ist echt. Sie ist nur mit Inhalten befüllt, die es in deinem Betrieb nicht gibt, und sie wurde für Bildschirmfotos gebaut, nicht für den Betrieb.
Ein gekauftes Theme ist eine Demo, keine fertige Website. Die Arbeit danach besteht nicht aus Farben und Logos, sondern aus fünf technischen Punkten, die regelmäßig zurückbleiben und die man kennen muss: Demo-Inhalte, Überschriften als Dekoration, Standardwerte mit falschen Zahlen, mitgeladene Demo-Bilder und Inhaltsfelder, die gar nicht ausgegeben werden.
1. Demo-Inhalte in fremder Sprache
Nach der Installation der Demo liegen im System Beiträge, Kategorien, Schlagwörter, Formulare und Menüpunkte, die aus der Vorlage stammen. Vieles davon ist unsichtbar, solange man nur die Startseite anschaut, und taucht später an unerwarteter Stelle wieder auf: in der Suche, in Archivseiten, in der Sitemap.
Dazu kommen Textbausteine des Themes selbst. Viele Vorlagen liefern keine deutsche Sprachdatei mit. Leere Archivseiten melden dann „Nothing Found“, Formulare bestätigen mit „Thank you for your message“, und Weiterlesen-Verweise heißen „Read More“. Auffällig wird das erst, wenn ein Besucher in genau diese Ecke gerät.
Zu prüfen: alle Beiträge und Seiten inklusive Entwürfen durchsehen, Kategorien und Schlagwörter leeren, eine Suche nach einem Wort ausführen, das nichts trifft, und ein Formular einmal absenden.
2. Überschriften, die als Dekoration missbraucht werden
Das ist der Punkt mit der größten Wirkung auf die Auffindbarkeit und zugleich der unsichtbarste. Themes verwenden Überschriften-Tags gern als Gestaltungsmittel: Laufbandwörter als h6, Schrittnummern als h4, Zähler und Preise als h3, kleine Vorzeilen über der eigentlichen Überschrift ebenfalls als Überschrift.
Für den Betrachter sieht das gut aus. Für eine Suchmaschine ist eine Seite mit achtzig Überschriften eine Seite ohne Gliederung. Die eigentliche Aussage geht zwischen Dekoration unter, und die Reihenfolge der Ebenen springt.
Zu prüfen: in der Konsole des Browsers ausgeben lassen, was tatsächlich als Überschrift ausgezeichnet ist:
document.querySelectorAll('h1,h2,h3,h4,h5,h6')
.forEach(h => console.log(h.tagName, h.textContent.trim().slice(0, 60)));
Sinnvoll ist genau eine h1, darunter eine nachvollziehbare Gliederung. Steht dort eine Zahl, ein einzelnes Wort oder ein Preis als Überschrift, gehört das in ein neutrales Element.
3. Standardwerte, die falsche Zahlen anzeigen
Baukastenelemente haben Vorgabewerte. Bleibt ein Zählerfeld leer, zeigt das Theme nicht null an, sondern den Wert aus der Demo. So stehen plötzlich „15 Jahre Erfahrung“ oder „40 zufriedene Kunden“ auf einer Seite, ohne dass jemand diese Zahl eingetragen hätte.
Das ist mehr als ein Schönheitsfehler. Es sind Aussagen über den Betrieb, die im Zweifel nicht stimmen. Zu prüfen: jede Zahl auf der Website suchen und beantworten, wer sie eingetragen hat. Zahlen, die niemand belegen kann, gehören weg.
4. Demo-Bilder, die weiterhin geladen werden
Wer ein Demo-Bild im Baukasten nur ausblendet, entfernt es nicht. Häufig steht es weiter in den Daten, wird vom Browser geladen und zählt zur Ladezeit. In den Vorlagen finden sich außerdem regelmäßig Werbeflächen für andere Produkte desselben Anbieters, etwa Bildergalerien im ausklappbaren Menü, die auf jeder einzelnen Seite mitgeladen werden.
Zu prüfen: im Netzwerkbereich der Entwicklerwerkzeuge nach Bildern filtern und die Dateinamen durchgehen. Alles mit Namen aus der Vorlage gehört aus den Daten entfernt, nicht per Gestaltung versteckt.
5. Inhaltsfelder, die nie ausgegeben werden
Der tückischste Punkt. Baukastenelemente haben neben dem Textfeld oft einen zugehörigen Schalter, der die Ausgabe steuert. In Demo-Vorlagen steht dieser Schalter gelegentlich auf aus. Der Text lässt sich dann eintragen, er wird gespeichert, und er erscheint nie.
Das betrifft besonders Einleitungsabsätze unter Abschnittsüberschriften. Wer sie schreibt, sieht sie in der Bearbeitung, aber weder Besucher noch Suchmaschine bekommen sie zu Gesicht. Auf einer ganzen Website summiert sich das schnell zu mehreren tausend Wörtern, die vorhanden sind und nicht wirken.
Zu prüfen: nach dem Eintragen eines Textes die Seite im normalen Browserfenster aufrufen und den Text dort suchen. Nicht in der Vorschau des Baukastens, sondern in der ausgelieferten Seite.
Lohnt sich ein gekauftes Theme dann überhaupt?
Ja, in vielen Fällen. Für eine Website, die vor allem informiert und ein überschaubares Budget hat, ist ein gutes Theme der schnellste Weg zu einem professionellen Auftritt. Man sollte nur wissen, dass der Kaufpreis nicht der Endpreis ist und dass die Punkte oben Arbeit erzeugen, die im Angebot des Themes nicht steht.
Nicht sinnvoll ist ein gekauftes Theme, wenn eine Anwendung daraus werden soll, wenn eigene Datenstrukturen dazukommen oder wenn die Seite auf jede Zehntelsekunde Ladezeit angewiesen ist. Dann arbeitet man dauerhaft gegen die Vorlage an.
Wie wir das angehen
Wir arbeiten diese fünf Punkte auf jeder Website ab, die auf einem gekauften Theme steht, und zwar bevor über Gestaltung gesprochen wird. Eine saubere Gliederung und ein aufgeräumter Datenbestand sind die Grundlage, auf der alles andere überhaupt wirkt. Mehr dazu unter Webentwicklung und technische Überarbeitung.
Warum sieht meine Website nicht aus wie die Theme-Demo?
Weil die Demo mit vorbereiteten Inhalten und Bildern in abgestimmten Formaten gefüllt ist. Mit eigenen Texten unterschiedlicher Länge und eigenen Bildern verschieben sich Abstände und Umbrüche. Das ist normal und bedeutet Nacharbeit im Layout.
Wie finde ich Demo-Inhalte in WordPress?
Alle Beitrags- und Seitenlisten inklusive Entwürfen und Papierkorb durchsehen, Kategorien und Schlagwörter prüfen, die Medienübersicht nach Dateinamen der Vorlage durchsuchen und die Menüs auf Verweise ins Leere kontrollieren.
Sind zu viele Überschriften schlecht für SEO?
Nicht die Anzahl allein, sondern der fehlende Sinn. Werden Zahlen, einzelne Wörter oder Preise als Überschrift ausgezeichnet, verliert die Seite ihre Gliederung. Suchmaschinen können dann schlechter erkennen, worum es auf der Seite geht.
Kann ich ein gekauftes Theme später austauschen?
Technisch ja, praktisch mit Aufwand. Inhalte, die in Baukastenelementen des Themes stecken, sind an dieses Theme gebunden und müssen beim Wechsel neu aufgebaut werden. Wer das absehbar vorhat, sollte Inhalte möglichst themeunabhängig pflegen.