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Ladezeit messen: warum Lighthouse und die Realität auseinandergehen

Zwei Messuhren mit unterschiedlichem Ausschlag

Der Test sagt 96 von 100. Der Kunde sagt, die Seite sei langsam. Beide haben recht, und das ist kein Widerspruch, sondern die Folge davon, dass hier zwei völlig verschiedene Dinge gemessen werden.

Lighthouse ist eine Labormessung unter festgelegten Bedingungen, Felddaten sind Messungen bei echten Besuchern. Die Labormessung ist wiederholbar und damit gut zum Vergleichen von Änderungen. Die Felddaten sagen, was tatsächlich erlebt wird, und nur sie fließen in die Bewertung durch Google ein.

Was Lighthouse eigentlich tut

Lighthouse lädt deine Seite einmal, unter simulierten Bedingungen: gedrosseltes Mobilnetz, gedrosselter Prozessor, leerer Zwischenspeicher, keine Erweiterungen im Browser. Diese Bedingungen sind bewusst schlechter als der Durchschnitt, damit Probleme sichtbar werden.

Daraus folgt zweierlei. Erstens ist der Wert stabil und vergleichbar, also ideal, um zu prüfen, ob eine Änderung etwas gebracht hat. Zweitens beschreibt er niemanden. Kein einziger echter Besucher hat exakt diese Bedingungen.

Warum derselbe Test unterschiedliche Werte liefert

Wer Lighthouse dreimal hintereinander laufen lässt, bekommt drei Ergebnisse. Schwankungen von zehn Punkten sind normal, und sie haben nachvollziehbare Gründe:

  • Die Simulation ist keine echte Drosselung. Ein Teil der Werte wird hochgerechnet, und diese Hochrechnung reagiert empfindlich auf die Auslastung des Rechners, auf dem der Test läuft.
  • Zwischenspeicher auf der Serverseite. Der erste Aufruf ist langsamer als der zweite, weil danach vieles vorbereitet vorliegt.
  • Fremde Einbindungen antworten unterschiedlich schnell. Karten, Videos, Schriften und Bewertungsanzeigen sind nicht unter deiner Kontrolle.
  • Browser-Erweiterungen. Wer den Test aus den Entwicklerwerkzeugen startet, misst seine eigenen Erweiterungen mit. Deshalb dafür immer ein Fenster ohne Erweiterungen benutzen.

Praktische Folge: Ein einzelner Lighthouse-Wert ist keine Aussage. Vergleichbar wird es erst über den Mittelwert aus mehreren Läufen, und aussagekräftig nur im Vorher-Nachher-Vergleich mit sonst gleichen Bedingungen.

Was Felddaten sind und wo du sie bekommst

Felddaten stammen von echten Besuchern mit echten Geräten in echten Netzen. Google sammelt sie über den Chrome-Nutzerbericht und zeigt sie in der Search Console unter „Core Web Vitals“ sowie im PageSpeed-Bericht im oberen Abschnitt.

Wichtig dabei sind drei Eigenschaften:

  • Sie beziehen sich auf die vergangenen 28 Tage. Eine Verbesserung wird erst nach Wochen sichtbar.
  • Bewertet wird der Wert, unter dem 75 Prozent der Aufrufe liegen. Nicht der Durchschnitt, sondern die Erfahrung der langsameren Viertelmehrheit.
  • Bei wenig besuchten Seiten fehlen sie ganz, weil die Datenmenge nicht reicht. Dann bleibt nur die Labormessung.

Welcher Zahl glaube ich wann?

Situation Maßgeblich
Wirkt eine Änderung? Lighthouse, mehrfach, vorher und nachher
Haben echte Nutzer ein Problem? Felddaten aus der Search Console
Neue Seite ohne Besucher Lighthouse, mangels Alternative
Nur eine Unterseite ist langsam Lighthouse gezielt auf dieser Seite
Bewertung durch Google ausschließlich Felddaten

Der Wert, der in beiden Welten wichtig ist

Es gibt eine Zahl, die zuverlässig in beiden Messungen auftaucht: die Zeit bis zur ersten Antwort des Servers. Sie hängt weder am Gerät des Besuchers noch an der Simulation, sondern am Hosting und an der Anwendung dahinter. Liegt sie über einer halben Sekunde, ist sie der erste Ansatzpunkt, und zwar unabhängig davon, welchen Test man ansieht.

Ausgeben lässt sie sich in der Konsole:

const n = performance.getEntriesByType('navigation')[0];
console.log('Serverantwort', Math.round(n.responseStart), 'ms');

Wann du die Punktzahl ignorieren darfst

Wenn die Felddaten im grünen Bereich liegen, die Seite sich flüssig anfühlt und nur die Labormessung nicht die volle Punktzahl erreicht, dann ist das kein Problem, sondern eine Zahl. Die letzten Punkte kosten regelmäßig mehr, als sie an Besuchern zurückbringen, und einige davon lassen sich ohne Verzicht auf Funktionen gar nicht erreichen.

Eine Punktzahl ist ein Werkzeug zur Fehlersuche, kein Ziel. Wer sie zum Ziel macht, baut irgendwann Funktionen aus, die Besucher gebraucht hätten.

Wie wir das angehen

Wir messen dreimal im Labor für die Richtung und sehen in die Felddaten für die Wirkung. Steht beides im Widerspruch, gelten die Felddaten, weil sie beschreiben, was Besucher tatsächlich erleben. Mehr dazu unter Webentwicklung und Ladezeitoptimierung.

Warum schwankt der Lighthouse-Wert bei jedem Test?

Weil ein Teil der Messung hochgerechnet wird und auf die Auslastung des messenden Rechners reagiert. Dazu kommen Zwischenspeicher auf der Serverseite, fremde Einbindungen und Browser-Erweiterungen. Schwankungen von zehn Punkten sind normal.

Was ist der Unterschied zwischen Labor- und Felddaten?

Labordaten entstehen unter festgelegten simulierten Bedingungen und sind wiederholbar. Felddaten stammen von echten Besuchern der letzten 28 Tage. Nur Felddaten fließen in die Bewertung durch Google ein.

Warum habe ich keine Felddaten?

Weil die Seite zu wenig Aufrufe hat, um eine belastbare Stichprobe zu bilden. In diesem Fall bleibt nur die Labormessung, und zwar über den Mittelwert mehrerer Läufe.

Muss ich 100 Punkte erreichen?

Nein. Wenn die Felddaten im grünen Bereich liegen und sich die Seite flüssig anfühlt, ist eine niedrigere Punktzahl unerheblich. Die letzten Punkte kosten meist mehr, als sie einbringen.