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Website-Umzug ohne Ausfall: der Ablauf, den wir fahren

Zwei Serverschränke mit Übertragungspfeil und Rückweg

Ein Serverwechsel gilt als riskant, und die Erzählungen darüber handeln fast immer von derselben Sache: Die Seite war zwei Tage halb erreichbar, manche Besucher landeten beim alten Server, andere beim neuen, und Formulare gingen ins Leere.

Ein Umzug ohne Unterbrechung ist eine Frage der Reihenfolge, nicht des Glücks. Der Kern besteht aus drei Dingen: die Vorlaufzeit der Namensauflösung rechtzeitig senken, beide Server parallel betreiben, und das Zertifikat vorher bereithalten. Wer das einhält, merkt vom Umzug nichts.

Warum es überhaupt schiefgehen kann

Wenn ein Name auf eine neue Adresse zeigt, erfahren das nicht alle gleichzeitig. Zwischenspeicher im Netz halten den alten Wert so lange, wie es die hinterlegte Vorlaufzeit vorgibt. Steht dort 24 Stunden, dann laufen einen Tag lang Besucher auf den alten Server.

Das ist unproblematisch, solange der alte Server weiterläuft und dasselbe zeigt. Kritisch wird es genau dann, wenn er abgeschaltet wird oder wenn beide Server unterschiedliche Datenstände haben. Der zweite Fall ist der schlimmere: Eine Bestellung landet auf dem alten Server und ist danach unauffindbar.

Der Ablauf über sieben Tage

Tag 1: Vorlaufzeit senken

Die Vorlaufzeit des Namenseintrags von üblicherweise mehreren Stunden auf 300 Sekunden setzen. Das muss vor allem anderen passieren, weil die alte Vorlaufzeit noch so lange gilt, wie sie eingetragen war. Wer das am Umzugstag macht, hat nichts gewonnen.

Tag 2 bis 4: Neuen Server aufbauen

Vollständige Einrichtung, Daten übertragen, Anwendung aufsetzen. Erreichbar über eine vorläufige Adresse. Zwei Punkte werden dabei oft vergessen: Der neue Server muss auf „nicht indexieren“ stehen, damit die Testfassung nicht in den Suchergebnissen landet, und Mailversand sollte abgeschaltet sein, damit keine Testmails an echte Kunden gehen.

Tag 5: Zertifikat vorab besorgen

Ein Zertifikat lässt sich vor dem Umzug ausstellen, wenn die Prüfung über einen Eintrag im Namenssystem statt über eine Datei auf dem Webserver läuft. Damit ist die verschlüsselte Verbindung ab der ersten Sekunde gültig. Ohne diesen Schritt sehen die ersten Besucher eine Sicherheitswarnung.

Tag 6: Vollständiger Test auf dem neuen Server

Nicht nur die Startseite. Die Prüfliste umfasst: alle Hauptseiten, Formulare mit echtem Versand und Empfangskontrolle, Anmeldung, Suche, Weiterleitungen, Zeitzone, Zeichensatz bei Umlauten, und die Frage, ob geplante Aufgaben laufen.

Tag 7: Umschalten

Der eigentliche Wechsel ist der kürzeste Schritt:

  1. Auf dem alten Server Schreibzugriffe unterbinden, damit keine neuen Daten mehr dort landen.
  2. Letzten Datenabgleich auf den neuen Server.
  3. Namenseintrag umstellen.
  4. Alten Server weiterlaufen lassen, mindestens 48 Stunden.
  5. Sperrvermerk auf dem neuen Server entfernen.

Punkt eins ist der wichtigste und wird am häufigsten ausgelassen. Ohne ihn entstehen Daten auf beiden Servern, und danach muss jemand von Hand zusammenführen.

Die 48 Stunden danach

Der alte Server bleibt in Betrieb und leitet auf den neuen weiter. Damit landen auch Besucher, die noch den alten Eintrag haben, am richtigen Ort.

Gleichzeitig zu prüfen:

  • Kommen Formularnachrichten an? Testweise absenden, mit Empfangskontrolle.
  • Werden Mails vom neuen Server angenommen? Neue Serveradresse heißt neue Bewertung beim Empfänger.
  • Steht die Zertifikatserneuerung? Nicht erst in achtzig Tagen prüfen, sondern gleich einmal auslösen.
  • Laufen Sicherungen auf dem neuen Server, und lassen sie sich einspielen?
  • Sind die Berichte in der Search Console unauffällig?

Der Rückweg

Der Vorteil dieses Ablaufs: Der Rückweg ist trivial. Solange der alte Server läuft, ist ein Zurück nur eine Änderung im Namenssystem, wirksam in fünf Minuten wegen der gesenkten Vorlaufzeit.

Diese Möglichkeit ist der eigentliche Grund, den alten Server nicht sofort abzuschalten. Die Kosten für zwei zusätzliche Wochen sind gering gegenüber dem Wert, jederzeit zurückzukönnen.

Was zusätzlich zu bedenken ist

  • Mailversand. Wenn die Domain auch für Mail genutzt wird, gehören die zugehörigen Einträge geprüft, sonst landen Mails nach dem Umzug im Spamordner.
  • Feste Adressen bei Dritten. Zahlungsdienste und Schnittstellen arbeiten manchmal mit einer freigegebenen Serveradresse. Die neue muss dort eingetragen werden, und zwar vor dem Umschalten.
  • Geplante Aufgaben. Nächtliche Abläufe müssen auf dem neuen Server eingerichtet und auf dem alten abgeschaltet werden, sonst laufen sie doppelt oder gar nicht.

Wie wir das machen

Wir senken die Vorlaufzeit eine Woche vorher, bauen den neuen Server parallel auf, besorgen das Zertifikat vorab und lassen den alten Server nach dem Umschalten mindestens 48 Stunden weiterlaufen. Der Umzug selbst dauert dann Minuten. Mehr dazu unter Managed Hosting und Umzüge.

Wie lange dauert ein Website-Umzug?

Der eigentliche Wechsel dauert Minuten. Davor liegen etwa fünf bis sieben Tage für gesenkte Vorlaufzeit, Aufbau des neuen Servers, Zertifikat und vollständigen Test.

Warum muss die Vorlaufzeit vorher gesenkt werden?

Weil der alte Wert noch so lange gilt, wie er eingetragen war. Wer sie am Umzugstag senkt, hat nichts gewonnen: Besucher laufen weiterhin stundenlang auf den alten Server.

Was passiert mit Daten, die während des Umzugs entstehen?

Deshalb werden auf dem alten Server vor dem letzten Abgleich die Schreibzugriffe unterbunden. Ohne diesen Schritt entstehen Daten auf beiden Servern und müssen später von Hand zusammengeführt werden.

Wie lange sollte der alte Server noch laufen?

Mindestens 48 Stunden, besser zwei Wochen. Solange er läuft, ist ein Zurück nur eine Änderung im Namenssystem und innerhalb von Minuten wirksam.